Von Feuerland zur Karibik

Von Feuerland zur Karibik


2. Reisebericht:   Punta Arenas (Chile) – El Calafate (Argentinien)

Nach vier Tagen verlies ich Punta Arenas wieder gegen Norden und mein nächstes Ziel war Puerto Natales, der Ausgangspunkt für Touren zum Nationalpark Torres del Paine. Es erwartete mich nur Asphaltstrasse - ein sehr schönes Gefühl. Noch lange führte die Strecke an der Magellanstrasse entlang und durch einen kleinen Naturpark, der leider über und über mit Plastiktüten vollgemüllt war. Der Wind war mäßig bis frisch und es war ein einigermaßen gutes Vorankommen. Bereits der fünfte Fernradler - ein Schweizer - begegnete mir hier, den ich sehr beneidete, da er in Windrichtung fuhr. Kurz zuvor hatte ich auch einmal das Glück, es war ein wirklicher Genuss! Am Abend musste ich lange nach einem geeigneten Schlafplatz suchen, da das Gelände rechts und links der Strasse immer eingezäunt ist und die wenigen Tore hier meist verschlossen sind. Doch irgendwann fand ich neben einem großen Tor ein unverschlossenes kleines Türchen. Ich durchfuhr einen saftig grünen Talboden, auf dem Kühe weideten, die bei meinem Erscheinen von weit her zusammenliefen und laut muhend einen steilen, steinigen Weg hinaufliefen, den auch ich hinauf musste, um beim Farmer um Zelterlaubnis zu fragen. Auf dem Hügel angekommen, sah ich noch keine Farm, dafür aber ein kleines Wäldchen mit einem für mich wie gemachten Platz. Einiges Gestrüpp musste ich mit meinem Fahrtenmesser noch entfernen, dann konnte ich es mir für die Nacht gemütlich einrichten, meine Wäsche verteilt auf dem Gestrüpp trocknen und mein Abendessen kochen. Es ist ja sehr angenehm, dass es erst ab 22.30 Uhr dunkel wird.

Nächsten Morgen spielten die Kühe ebenso verrückt wie am Vorabend. Nachdem ich etwa einen Kilometer wieder gefahren war, sah ich, welches Glück ich mit meinem Schlafplatz hatte. Denn nun hörte die bewachsene Landschaft auf und ich hatte eine große Ebene zu durchqueren. Hier setzte mir der Wind wieder gehörig zu. Der Straßenverlauf führte immer mehr genau in den Wind und wollte und wollte kein Ende nehmen. Ich brauchte fast vier Stunden für die Bewältigung der 28 Kilometer langen Strecke. Anschließend wurde es besser, denn der Straßenverlauf bog Richtung Norden und zusätzlich schirmte eine höhere Hügelkette im Westen den Westwind ab. Somit merkte ich nun wenig vom Wind, was sehr gut tat. Obwohl gegen Abend die Strasse wieder Richtung Westen drehte, hatte der Wind keine Lust mehr und blieb ruhig. Das erhoffte ich mir auch für den nächsten Tag, denn die kommende Strecke würde ca. 70 Kilometer gen Westen führen.

In einem Dorf fragte ich einen Bauern, ob ich auf seinem Grundstück schlafen könnte. Ich durfte, aber sehr angetan war er nicht. Von meiner Bolivienreise hatte ich noch immer im Kopf, dass man aus Sicherheitsgründen lieber bei einem Bauern übernachten sollte. Hier allerdings ist die Gegend durchaus sicher und das Übernachen im freien Gelände ist viel schöner. Am nächstem Morgen war das Glück mit mir, denn es ging kein Wind und dies blieb auch über 70 Kilometer so. Nach einer kleinen Kaffeepause hatte ich nach einer kleinen Hügelkette mit schönem Ausblick auf die Anden (leider von Regen- und Schneeschauern ziemlich eingehüllt), wieder eine große Ebene zu durchqueren. An deren Ende kam mir ein deutsches Paar mit einem alten, umgebauten LKW entgegen. Sie hielten und wir unterhielten uns lange in ihrem Wohn- und Schlafzimmer. Einen ganzen freudigen Tag wollte mir der Wind aber doch nicht gönnen. Nach einer kurzen Steigung und dem Erreichen einer Hochfläche, blies er mir die letzten 30 Kilometer meiner Etappe mit einer derartigen Heftigkeit entgegen, dass er meine Annahme, früh und relativ entspannt in Puerto Natales anzukommen, zunichte machte. Auf dem Weg sah ich sehr schöne Estancias und Gauchos, die Rinder mit vielen ganz kleinen Kälbern von einer Weide über die Strasse auf eine Weide trieben. Sie jagten auf ihren Pferden mit ihren Hunden immer wieder zwischen die Herde, um den Viechern zu zeigen, wo es lang geht. Ein grandioses Schauspiel! Von dem Thüringer Radlerpaar hatte ich eine Adresse einer Hospedaje. Sie war gerammelt voll und ich bekam grad noch ein freies Bett in einem 5-Bett Zimmer. Ab dem nächsten Tag hatte ich dann aber ein Zimmer für mich allein.

Puerto Natales hat seeseitig eine sehr schöne Umgebung. Die spitzen und verschneiten Berge scheinen unmittelbar aus dem Wasser zu kommen, dazwischen liegen Fjorde und Kanäle. Von hier aus kann man mit dem Schiff in drei Tagen nach Puerto Mont fahren, welches schon fast im südlichen Mittelchile liegt. Die Stadt selbst, mit ihren etwa 15.000 Einwohnern, ist nichts Besonderes. Auf Grund des 130 Kilometer entfernt liegenden Nationalpark Torres del Paine tummeln sich hier jedoch viele internationale Touristen, die sich mit dem notwendigen Bergwanderequipment auf Leihbasis ausstatten. Ich kaufte mir einen Rucksack, der nicht unbedingt für Trekkingtouren tauglich ist, den ich aber auch für das Fahrrad benutzen kann, um Zelt, Schlafsack und Isomatte verstauen zu können. Was ich schon in Punta Arenas bemerkenswert fand, hat sich in Natales wiederholt. Dort sah ich in einem großen Supermarkt Butter aus Hamburg, hier kaufte ich in einem Kraemerladen welche aus Oldenburg...

Am Montag, 16. Dezember ging es Richtung Torres. Etwa 20 Kilometer auf z.T. neuer Asphaltstrasse und weiter dann auf recht passablem Schotter. Die Strecke war sehr schön, rechts und links von einer steilen Hügelkette begleitet, wovon die Ostseite meist bewaldet, und die Westhänge kahl waren. Ein Autofahrer wollte mir die nächste Steigung ersparen und bot mir die Mitfahrt an. Ich lehnte dankend ab, zukünftig werde ich solche Angebote nur noch annehmen, wenn ich sehr müde und k o bin, das Wetter sehr schlecht ist oder ich unbedingt ein Ziel zu einer bestimmten Zeit erreichen möchte. Trotzdem finde ich diese Hilfsbereitschaft toll!

Zum ersten Mal auf meiner Tour kam ich nun zeitweise in den Genuss von Rückenwind. Das ist schon eine feine Sache! An dem Abzweiger nach Argentinien habe ich mir erst mal mit Bohnen, sowie Kaffee und Keksen den Magen vollgefüllt und fuhr dann noch fast 40 Kilometer, bis ich einen phantastischen Schlafplatz fand, direkt oberhalb des Lago Sarmiento und gegenüber dem mächtigen Gebirgsstocks der Torres. Das Wetter war sehr gut und die Abendsonne beleuchtete alles wunderbar. Auch der Wind ließ bald nach, so dass ich die Aussicht unbeschwert genießen konnte. Die restlichen 22 Kilometer zum Parkeingang legte ich am nächsten Morgen zurück und erlebte gleich eine Überraschung. Eine Eintrittskarte für den Park, die mir eine junge Frau aus der Pension in Natales (zu der auch ein Reisebüro gehört, von dem aus täglich Leute mit dem Bus zum Park fahren) verkauft hatte, war schlichtweg eine Fahrkarte für den Bus, obwohl diese Frau genau wusste, dass ich mit dem Rad fahre. So hatte ich nochmals 8.000,- Pesos Eintritt (etwa 12 Dollar) zu bezahlen. Der Chef vom Eingangsbüro sagte mir aber, dass der Bus jeweils um 9:00 Uhr morgens und um 3:00 Uhr nachmittags zum Eingang kommt. Ich konnte das Rad für die nächsten Tage dort abstellen, packte meinen Rucksack für die Bergtouren und wartete dabei auf dem Bus, um, wie ich hoffte, gleich das Geld von dem Fahrer zurückzubekommen. Was so einfach natürlich nicht klappte, da der Fahrer nicht wusste, ob er es von seiner Firma auch wiederbekommt. War auch verständlich. Er versprach aber, die Sache in dem Reisebüro vorzubringen und das Geld dann im Parkeingangsbüro zu hinterlegen. Zweimal in den nächsten Tagen traf ich ihn wieder, aber er hatte es immer vergessen. So ließ er dann über Funk im Reisebüro anrufen, eine kompetente Person war allerdings nicht erreichbar. Da ich den Park am selben Nachmittag verlassen wollte, vereinbarten wir für den nächsten Morgen auf der Strasse die Geldübergabe (vom Park musste ich 60 Kilometer gen Natales wieder zurück fahren, um nach Argentinien zu kommen). Nachdem ich eine dreiviertel Stunde vergeblich gewartet hatte, fuhr ich wütend weiter. Und siehe da, eine halbe Stunde später begegnete mir der Bus, hielt an und der Fahrer zahlte mir die 8.000,- Pesos zurück. Meine Welt war wieder in Ordnung. Der Park an sich ist wunderschön und absolut lohnenswert. Sieben Kilometer vom Eingang entfernt liegt ein schöner, dem Hotel Las Torres angeschlossener Campingplatz, zu dem ich mit dem Hotelbus fuhr. Welch ein Unterschied, erst die Einsamkeit und Ruhe und dann auf dem Campingplatz viel Stimmengewirr und leider auch lautes Radio. Am ersten Morgen machte ich eine Tour mit leichtem Gepäck zu den Torres (Türmen). Es war ein sehr schöner Weg, der anfangs anstieg, bis man dann in das schöne Tal blickte, durch das ein Steig führte. An einer sehr schönen, bewirtschafteten Hütte vorbei und entlang eines Wildbaches ging es durch z.T. dichten Südbuchenwald mit alten, umgestürzten und vor sich hin morschenden Baumstämmen. Man könnte meinen, man geht in den Alpen, wenn nicht die Südbuchen mit ihren kleinen, filigran und eng angeordneten Blättern wären. Die letzten 45 Minuten ging es dann über ein Geröllfeld mit riesigen Steinen steil bergan, dann stand ich direkt gegenüber dieser drei steil aufragenden Granittürme. Es war ein grandioser Anblick! Mit dem Wetter hatte ich einigermaßen Glück, denn die Torres waren zumindest wolkenfrei, wenn auch nicht von der Sonne beschienen. Eigentlich wechseln sich um diesen Berg laufend Schnee- und Regenschauer mit sonnigen Abschnitten ab. Ich hätte nur länger in dem Wind und der Kälte ausharren müssen. Am anderen Tag nutzte ich die Möglichkeit, mit Bus und Schnellboot nach Pelhué zu kommen, um von dort die Tour zum Lago Grey und zum Gletscher zu starten. die 35,00 Dollar für Bus und Boot haben sich gelohnt, um dorthin zu kommen, hätte ich sonst zwei Tage gebraucht. Der Pfad führte anfangs durch eine kleine Schlucht, bevor man auf einer Anhöhe zu einem kleinen See kam. Die Landschaft mit ihren abgerundeten Felsen und Bergen erinnerte mich sehr stark an Norwegen. Bald war der Lago Grey mit seinem hellgrauen Wasser erreicht, auf dem viele abgebrochene Eisberge trieben. Auf einer weiteren Anhöhe dann kam der große Augenblick. Der Gletscher, der sich in drei Armen in den See schiebt. Die Breite, und das Wissen, dass der Gletscher ein Ende des 350 Kilometer langen, südlichen Eisfeldes darstellt, beeindruckte mich sehr. Auf dem Weg zu dem oberhalb des Gletschers gelegenen (freien) Campingplatz, konnte ich miterleben, wie ein gewaltiges Eisstück abbrach und mit lautem Donner in den See stürzte. Auf dem Campingplatz ging es sehr ruhig zu, denn es waren nur drei weitere Zelte aufgebaut. Dafür gab es aber sehr viele aufdringliche Mücken, die sich sogar auf das Gekochte stürzten. Die Felsen am Campingplatz stiegen aus dem Wald fast senkrecht auf und waren mit vielen Gipfeln gekrönt. Um halb zehn abends sah ich mir den Gletscher nochmals von oben in seiner gesamten Breite an. Es war eine tolle Stimmung, teilweise wurde er von der Sonne durch Schneeschauer hindurch angestrahlt, während die Berge auf der anderen Seite nur schemenhaft auszumachen waren. Der Blick in die andere Richtung über den See mit den sich ständig ändernden Lichtverhältnissen vermittelte dagegen eine unwahrscheinliche Ruhe.

Nach einer recht windigen Nacht, in der ich manchmal fürchtete, ein Ast oder ein Baum könnte auf das Zelt fallen (rundherum lagen viele umgestürzte Bäume) zog ich auf Grund der Mücken ohne Frühstück los. Nach gut vier Stunden Weg erreichte ich das Boot für die Rückfahrt. Zurück am Eingang des Parks angekommen, stieg ich wieder auf das Fahrrad um. In Cerro Castillo kehrte ich eine Cafeteria ein und kaufte auch noch Lebensmittel. Dann ging es über eine Hügelkette Richtung Osten nach Argentinien. Die Grenzabfertigung in Chile war bald erledigt und mit gutem Rückenwind war es ein Leichtes, den langgezogenen Berg hinaufzufahren. Gleich kurz nach der Grenzlinie auf dem Bergkamm änderte sich die Strasse schlagartig. Zuerst kamen große Steine, doch bald war es nur noch zerfurchter Lehm. Es sah aus wie ein Feldweg und ich meinte fast, falsch zu sein. Der argentinische Grenzort war eine Enttäuschung. Ich hatte gehofft, mich in einer Pension einzuquartieren zu können, doch außer zwei weiteren Häusern gab es hier nichts. Nach zehn Kilometern allerdings fand ich einen sehr schönen Platz. Leider hinter einem Zaun, was bedeutet, dass ich das ganze Gepäck abbauen, Gepäck und Fahrrad über den Zaun hieven und dann das Gepäck auf dem Fahrrad wieder festmachen musste, um ins Gelände zu kommen. Am nächsten Morgen das Gleiche dann noch mal.

Das Wetter ließ sich gut an, auch der Wind ließ nicht lange auf sich warten. Diesmal war es Rückenwind, jedoch mehr, als die schlechte Schotterstrasse es zuließ, so dass ich leider bremsen musste. Zusätzlich zur allgemeinen schlechten Beschaffenheit gab es immer wieder gut 100 Meter lange Abschnitte, die mit Steinen und Erde um bis zu einem Meter erhöht waren, die dann von den Autofahrern festgefahren werden mussten. Da blieb mir oft nur das Schieben übrig. In einer Estancia mit Hotel und Restaurant, auf die ein Hinweisschild 44 Kilometer zuvor deutete, wollte ich mittags essen, doch sie war geschlossen. So konnte ich nur an einer Tankstelle Kaffee und Kekse bekommen. Hier zweigte die Ruta 40 Richtung Nordosten ab, sie führt auf eine Hügelkette zu, die ich überqueren musste. Drei Motorradfahrer, ein Schwede und ein deutsches Paar, kamen mir entgegen und es gab einen angeregten Erfahrungs- und Informationsaustausch. Bald darauf suchte ich mir wieder einen Platz für die Nacht und freute mich schon auf den nächsten Tag, um die verbleibenden 50 Kilometer bis zur geteerten Hauptstrasse Rio Gallegos - El Calafate zu kommen. Trotz sehr schlechter Strasse, aber mit Rückenwind, sollte es leicht zu schaffen sein. Die Enttäuschung am nächsten Morgen war jedoch unermesslich groß. Nach dem Aufstehen musste ich feststellen, dass der Wind nicht wie normal aus Westen, sondern sehr kräftig aus Norden blies. So hatte ich den Wind bestenfalls voll von der Seite oder schräg von vorn. Hätte ich damit gerechnet, wäre ich am Vorabend noch einige Stunden gefahren. Ziemlich wütend strampelte ich über Schotteranhäufungen, die zwischen den Fahrspuren entstehen, von einer Spur zur nächsten, immer hoffend, die andere sei besser. Als ich ein Steilstück mit voller Kraft hinauf fuhr, überholten mich zwei Busse (meist 20-Sitzer, der zweite war fast leer) und hielten auf der Bergkuppe. Ich hoffte sehr, sie würden nicht fragen, ob sie mich mitnehmen könnten, doch sie taten es. Nach nicht allzu langer Überlegung stimmte ich zu und ich fuhr die etwa 130 Kilometer bis nach El Calafate mit. Wir hatten den 23. Dezember und so konnte ich Weihnachten in El Calafate verbringen, obwohl ich mich fest darauf eingestellt hatte, den Abend im Zelt zu verbringen. Weihnachtliche Stimmung hatte ich bei diesem Wetter und Tageslichtverhältnissen sowieso nicht, das Zelten hätte mir also nichts ausgemacht. So war es aber nun doch ganz schön.

El Calafate ist voll von Touristen, die am Busbahnhof fast ausnahmslos mit großen Rucksäcken ankommen. Es wirkt richtig exotisch, wenn jemand mit Koffer oder Trolley per Flugzeug ankommt. Calafate gefällt mir ganz gut, es hat eine schöne Einkaufstrasse mit guten Geschäften und Restaurants. Als Ausgleich für die bequeme Busfahrt, fuhr ich, entgegen meiner Planung, nun nicht mit dem Bus, sondern mit dem Rad zum 80 Kilometer entfernten Gletscher Perito Moreno (der Touristenmagnet) und blieb dort drei Nächte. Durch viel Gegenwind kam ich erst spät am Abend dort an und war ziemlich kaputt. Direkt am Gletscher konnte ich keinen Campingplatz vorfinden, ich hätte sieben Kilometer die mit vielen kleinen Steigungen ausgestattete Straße zu einem vorgelagerten Campingplatz zurück fahren müssen. Dies konnte und wollte ich nicht mehr und so erlaubte mir der Ranger, für eine Nacht neben der Werkstatt in einem kleinen Raum mit Matratze zu schlafen. Gleich nebenan war eine Cafeteria in der ich noch etwas zum Essen bekam und von einer freundlichen Serviererin sehr gut bedient wurde. Ich frühstückte auch in der Cafeteria und war überrascht, wie reichhaltig es für etwa 1,50 Euro war. Obendrein wurde noch nachgereicht. Den Gletscher sah ich im Regen und die Berge waren mit Neuschnee bedeckt. Nächsten Morgen - ich war mittlerweile auf dem Zeltplatz - verzichtete ich auf das Kaffeekochen und fuhr mit dem unbepackten Rad zuerst zum Frühstück und dann zum Gletscher. Heute bekam ich sogar die doppelte Menge und alle waren sehr, sehr nett. Als ich bezahlen wollte, sagte man mir, dies wäre eine Einladung des Hauses - und ich war platt.

Der Gletscher zeigte sich heute wunderschön im Sonnenlicht. Wie gut, den Lago Grey Gletscher zuerst gesehen zu haben, denn dieser hier stellte ihn absolut in den Schatten. In nur 186 Meter Seehöhe schiebt er sich auf einer Breite von vier Kilometern (die Abbruchkante fünf Kilometer) in den See Lago Argentino. Dabei erreicht er eine Höhe von bis zu 55 Metern. Täglich soll er sich im Zentrum bis zu zwei Meter und am Rande bis zu 40 cm vorwärts schieben. Mit großem Getöse und einer mächtigen Welle brechen immer wieder Stücke davon ab und jeder hofft, den ganz großen Abbruch mitzubekommen. Einen schönen Kontrast bildet die grüne Umgebung, in der vieles blüht.

Auf dem Zeltplatz am Gletscher hatte ich ein Radlerpaar aus München kennen gelernt. Mit ihnen teilte ich mir eine kleine Wohnung in Calafate und wir feierten Silvester zusammen, was richtig nett war.

Die kommende Etappe wird jetzt richtig einsam werden. Bis zum Ort Perito Moreno, nahe am Lago Buenos Aires, gibt es kein Dorf oder Stadt mehr, nur Schotterstraßen, einige Estancias und sonst nur Weite. Jede Menge Lebensmittel habe ich bereits eingekauft, etwas mulmig wird mir beim Gedanken an das zu schleppende Gewicht. Aber irgendwie geht alles. Von Perito Moreno wechsele ich wieder nach Chile und werde am See entlang zur Carretera Austral fahren. In Esquel werde ich dann wieder nach Argentinien kommen.

Bis zum nächsten Bericht

Hans Windisch


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