Auf den Uturuncu

Auf den Uturuncu – mit dem Rad auf fast 6000 m und den Rest per Schuh

von Julius Grossmann


1. Der Uturuncu – was er ist und was er nicht ist

Zunächst mal muss ich alle diejenigen enttäuschen, die meinen, sie würden auf den höchsten Pass der Welt fahren: Denn ein Gebirgspass ist eine niedrige Stelle zwischen zwei Bergen, die den Übergang über einen Gebirgszug ermöglicht. Und ein Übergang ist am Uturuncu – jedenfalls mit dem Rad – nicht möglich. Es ist also kein Pass und die höchsten Pässe der Welt bleiben nach wie vor in Asien. Trotzdem ist das eine der faszinierendsten Stellen, die ich in Südamerika kenne, und leichter kann ein 6000er auch nicht sein.


2. Taktisches Vorgehen

Die Gesamtstrecke misst hin und zurück ca. 70 km und ist an einem Tag machbar. Ich halte nichts davon, ein Basislager zu errichten, wie das einige Reiseradfahrer, z. B. Maurizio Doro aus Italien, getan haben. Quetena Chico liegt am Fluss Quetena. Es sind mehrfach schwere und üble Furten zu queren und das Gebiet ist extrem versandet. Hier mit schwerem Gepäck zu fahren ist sehr mühselig, zeit- und kraftraubend. Ein Biwak in weit über 4000 m Höhe lässt bei der nächtlichen Kälte und den Winden kaum eine echte Regeneration zu. Anschließend steht die Ausrüstung fast einen Tag lang allein, was bei den Windverhältnissen nicht ungefährlich ist, und ob alle der sicherlich recht wenigen Passanten das Zelt unbesehen lassen, ist auch unsicher. Auf der Abfahrt ist die Ausrüstung dann auch wieder nur ein Hindernis. Daher mein Tipp: Mit dem Sonnenaufgang von einem der Hostals in Quetena Chico losfahren! Mit etwas Glück sind die Sumpfpassagen dann noch gefroren und man kommt recht zügig voran.


3. Streckenbeschreibung

Schon im Ort ist eine recht eklige Furt zu queren. Dann geht es flach immer am Fluss entlang, bis ein felsiger, gut zu fahrender Bergabschnitt mit ein paar Serpentinen folgt. Danach ein langer, flacher und widerlich sandiger Abschnitt bis zur ehemaligen Fabrik, selbst ohne schweres Gepäck wird hier viel geschoben und geflucht. Dann eine kurze Abfahrt zu einer gefährlichen und tiefen Furt mit scharfen Rechtsknick. Bei mir war die vereiste Furt nicht tragfähig, ich bin eingekracht und habe dabei meine Kamera geflutet. Jetzt beginnt die eigentliche und schön gemachte Gebirgspiste hinauf zur ehemaligen Schwefelmine. Sie ist in einem vergleichsweise guten Zustand und wäre bis auf einige, wenige Stellen bis zum Schluss fahrbar, wäre nicht der scharfe Wind und der Muskelschwund ab 5000 Höhenmetern. Auf dem Sattel zwischen den beiden Bergspitzen wird bei 5760 Metern das Rad deponiert und dann wird der letzte Schutthang hoch gekrabbelt. Der Blick vom Gipfel ist gigantisch und lässt alle Strapazen vergessen: Wie kleine Wasserlöcher liegen die kleinen Lagunen rund um die Laguna Celeste unter uns. Der Blick reicht vom Salar de Chalviri bis zur Cerro de Lipez und weit, weit hinten sieht man die Wolken über der argentinischen Pampa – der Berg war die Reise wert!


4.GPS-Track:

http://www.gps-tour.info/de/touren/download.24220.html


5.Link:

Zwecks gefluteter Kamera :-) Einige Bilder zum Uturuncu finden sich auf der Bergsteiger-Seite http://alpia.errror.org/atacama/06uturuncu/index.html.


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